Zeugenfragebogen nach Blitzer: Wie Sie richtig reagieren

Erstellt am 20.03.2026, 17:25

Sie haben einen Zeugenfragebogen erhalten? Das bedeutet: Das Bild auf dem Blitzerfoto weicht vom Fahrzeughalter ab und die Behörde will den Fahrer ermitteln. Wir erklären, wann Sie schweigen dürfen und was beim Firmenwagen gilt.

Ein offizielles Schreiben der Bußgeldstelle liegt auf einem Tisch.
Ein Zeugenfragebogen wird verschickt, wenn der Halter als Fahrer ausgeschlossen wurde.

Zeugenfragebogen oder Anhörungsbogen – Wo ist der Unterschied?

Während der Anhörungsbogen direkt an den vermeintlichen Täter geht, wird der Zeugenfragebogen an den Fahrzeughalter geschickt, wenn dieser als Fahrer offensichtlich nicht infrage kommt (z. B. wegen des Geschlechts oder Alters auf dem Blitzerfoto). Die Behörde bittet Sie hier um Mithilfe bei der Fahrerermittlung. Im Gegensatz zum Beschuldigten haben Sie als Zeuge grundsätzlich eine Wahrheitspflicht – es sei denn, ein besonderes Recht schützt Sie.

Situation Rechtliche Folge
Fahrer ist ein naher Verwandter Sie können vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen.
Fahrer ist ein Mitarbeiter (Firmenwagen) Das Unternehmen ist zur Mitwirkung verpflichtet (Gefahr: Fahrtenbuch).
Zeugenfragebogen ignorieren Polizeibesuch oder Vorladung durch die Staatsanwaltschaft möglich.

Ehefrau oder Kinder am Steuer? Das Zeugnisverweigerungsrecht

War Ihre Ehefrau, Ihr Verlobter oder ein enger Verwandter zum Tatzeitpunkt mit Ihrem Auto unterwegs, müssen Sie diese Person nicht belasten. Gemäß § 52 StPO steht Ihnen ein Zeugnisverweigerungsrecht zu. Sie können im Bogen angeben, dass Sie von diesem Recht Gebrauch machen.

Aber Vorsicht: Wenn Sie dieses Recht nutzen, weiß die Behörde sofort, dass der Fahrer im familiären Umfeld zu suchen ist. Oft folgt dann ein Abgleich der Passbilder beim Einwohnermeldeamt.

Experten-Tipp

Geben Sie niemals absichtlich eine falsche Person an! Wer einen anderen fälschlicherweise beschuldigt, begeht eine Straftat nach § 164 StGB (Falsche Verdächtigung). Schweigen ist erlaubt, Lügen kann mit einer Geldstrafe oder sogar mit einer Freiheitsstrafe geahndet werden.

Sonderfall Firmenwagen: Was Arbeitgeber wissen müssen

Geht ein Zeugenfragebogen für einen Firmenwagen ein, ist die Situation kritischer. Unternehmen haben eine Mitwirkungspflicht bei der Fahrerermittlung. Wird der Fahrer nicht benannt und kann die Behörde ihn auch nicht selbst ermitteln, droht dem Betrieb die kostenpflichtige Auferlegung eines Fahrtenbuchs für die gesamte Flotte. Es ist daher ratsam, hier eine rechtliche Strategie zu wählen, die das Unternehmen schützt, ohne Mitarbeiter unnötig zu belasten.

Zeugenfragebogen ignorieren – Eine gute Idee?

Den Zeugenfragebogen einfach zu ignorieren, beendet das Verfahren in der Regel nicht. Die Bußgeldstelle wird hartnäckiger:

  • Die Polizei könnte unangekündigt bei Ihnen oder Ihren Nachbarn auftauchen und das Blitzerfoto herumzeigen.
  • Es kann eine förmliche Vorladung zur Vernehmung erfolgen.
  • Die Verjährung (meist 3 Monate) wird durch die Ermittlungsmaßnahmen gegen den tatsächlichen Fahrer neu gestartet.

FAQ: Fragen zum Zeugenfragebogen

Nein, eine gesetzliche Pflicht zur Rücksendung an die Bußgeldstelle besteht nicht. Allerdings kann die Behörde bei Nichterscheinen die Polizei einschalten oder eine gerichtliche Vernehmung erzwingen. Zudem steigt bei Nichtmitwirkung das Risiko einer Fahrtenbuchauflage.

Sie dürfen schweigen, wenn Sie sich selbst oder einen nahen Angehörigen (Ehepartner, Kinder, Eltern, Geschwister) belasten müssten. Gegenüber entfernteren Verwandten oder Freunden besteht dieses Recht offiziell nicht.

Wenn das Foto sehr unscharf ist, können Sie wahrheitsgemäß angeben, dass Sie die Person nicht identifizieren können. Die Behörde muss Ihnen dann ein besseres Foto zur Verfügung stellen, falls vorhanden.

Rechtliche Grundlagen & Paragrafen:

  • § 52 StPO: Zeugnisverweigerungsrecht der Angehörigen.
  • § 164 StGB: Strafbarkeit der falschen Verdächtigung.
  • § 31a StVZO: Voraussetzungen für die Auferlegung eines Fahrtenbuchs.

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