Erstellt am 22.07.2026, 17:35
Geblitzt worden? Dann entscheiden oft nur wenige km/h darüber, ob ein Punkt bzw. Fahrverbot droht. Zum Glück gilt in Deutschland bei jeder Geschwindigkeitsmessung ein Toleranzabzug. Wie hoch dieser ausfällt, hängt von der gemessenen Geschwindigkeit und dem eingesetzten Messverfahren ab – wir zeigen die aktuellen Werte im Überblick.
Bußgeldstellen wenden nicht immer den richtigen Toleranzabzug an – gerade bei Nachfahrmessungen werden hohe Abzüge gerne „vergessen“. Fordern Sie jetzt eine kostenlose Prüfung Ihres Bußgeldbescheids an.
Zum Blitzer-CheckJede Messtechnik unterliegt physikalischen Ungenauigkeiten – egal ob stationäre Blitzersäule, mobiler Blitzer oder Blitzeranhänger. Damit diese Ungenauigkeiten nicht zulasten der Betroffenen gehen, wird vom gemessenen Wert vor der Berechnung des Bußgelds eine Toleranz abgezogen. Als Faustregel gilt bei standardisierten Messverfahren (Radar, Laser, Lichtschranke, Induktionsschleife):
Wichtig: Der Ort der Messung spielt dabei keine Rolle. Ob innerorts, außerorts oder auf der Autobahn geblitzt wurde, ändert an der Höhe des Toleranzabzugs nichts – entscheidend sind allein Geschwindigkeit und Messverfahren. Maßgeblich für den Bußgeldbescheid ist immer der Wert nach Toleranzabzug.
Nicht jedes Messverfahren gilt als gleich zuverlässig. Je fehleranfälliger die Methode, desto höher fällt der Sicherheitsabschlag aus. Besonders relevant wird das bei Nachfahrmessungen durch die Polizei:
| Messverfahren | Toleranz unter 100 km/h | Toleranz über 100 km/h |
|---|---|---|
| Radar, Laser, Lichtschranke (z. B. PoliScan, Traffistar) | 3 km/h | 3 Prozent |
| Videonachfahrsystem (z. B. ProViDa mit geeichtem Tacho) | 5 km/h | 5 Prozent |
| Nachfahren ohne Messsystem (ungeeichter Tacho) | bis zu 20 Prozent | |
Beim Nachfahren ohne spezielles Messsystem muss die Polizei zudem strenge Vorgaben einhalten: Die Messstrecke muss ausreichend lang sein (in der Regel 400 bis 500 Meter) und der Abstand zum verfolgten Fahrzeug darf sich nicht verändern. Weil hier der ungeeichte Tacho des Polizeifahrzeugs als Grundlage dient, verlangt die Rechtsprechung einen Abzug von bis zu 20 Prozent – ein Punkt, den Bußgeldstellen in der Praxis nicht immer korrekt berücksichtigen.
Wie stark der Toleranzabzug das Ergebnis beeinflusst, zeigen folgende Beispiele. Gerade an den Grenzwerten für Punkte und Fahrverbote kann der Abzug den Unterschied machen:
| Situation | Messwert | Toleranz | Vorwerfbar |
|---|---|---|---|
| Innerorts, Tempo 50 | 73 km/h | 3 km/h | 70 km/h → 20 km/h zu schnell, kein Punkt |
| Autobahn, Tempo 100 | 154 km/h | 3 % ≈ 5 km/h | 149 km/h → 49 km/h zu schnell |
| Nachfahren, Tempo 100, ungeeichter Tacho | 141 km/h | 20 % ≈ 28 km/h | 113 km/h → nur 13 km/h zu schnell |
Besonders das letzte Beispiel zeigt: Statt eines drohenden Fahrverbots bleibt nach korrektem Toleranzabzug nur ein geringes Verwarngeld übrig. Es lohnt sich also immer, den angewendeten Abzug im Bescheid genau zu prüfen.
Viele Betroffene wundern sich, weil ihr eigener Tacho eine andere Geschwindigkeit angezeigt hat als der Bußgeldbescheid nennt. Der Grund: Fahrzeugtachos sind nicht geeicht und dürfen nach EU-Vorgaben um bis zu 10 Prozent plus 4 km/h nach oben abweichen. Ein Tacho, der 114 km/h anzeigt, kann also einer tatsächlichen Geschwindigkeit von nur 100 km/h entsprechen.
Wichtig dabei: Der Tacho darf niemals weniger anzeigen als tatsächlich gefahren wird. Wer sich an die angezeigte Geschwindigkeit hält, ist also vor unverschuldeten Verstößen sicher. Hauptursache für Abweichungen ist übrigens der Reifenumfang, der sich durch Abrieb und Reifenwechsel verändert.
Auch in den Nachbarländern gelten Toleranzabzüge – allerdings mit teils deutlich anderen Regeln und oft empfindlich höheren Bußgeldern:
| Land | Toleranzregelung |
|---|---|
| Österreich | Laser: 3 km/h bzw. 3 % (über 100 km/h); Radar: 5 km/h bzw. 5 % |
| Schweiz | Laser: 3–5 km/h je nach Tempo; Radar: 5–7 km/h je nach Tempo |
| Italien | 5 % der Geschwindigkeit, mindestens 5 km/h |
| Spanien | 3 bis 7 km/h, abhängig von Gerätetyp und Wartung |
| Frankreich | Stationär: 5 km/h bzw. 5 %; mobil: 10 km/h bzw. 10 % |
Der Toleranzabzug gleicht nur die normale Messunsicherheit aus – Bedienfehler, falsche Aufstellwinkel oder eine abgelaufene Eichung deckt er nicht ab. Lassen Sie Ihren Bescheid jetzt kostenlos von Experten analysieren.
Bescheid jetzt kostenlos prüfenDer Toleranzabzug ist gesetzlich vorgesehen und kann an den Grenzwerten für Punkte und Fahrverbote den entscheidenden Unterschied machen. Gerade bei Nachfahrmessungen mit bis zu 20 Prozent Abzug passieren den Behörden immer wieder Fehler. Wer geblitzt wurde, sollte deshalb nicht nur den Messwert, sondern auch den angewendeten Toleranzabzug prüfen lassen – und bei Zweifeln die Messakte einsehen.
Informieren Sie sich über die aktuellen Strafen bei einer Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit.
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